Fluorchinolone

Nebenwirkungen

Eine Hilfeseite

Diagnosen

Frage nach der Diagnostizierbarkeit von FQAD ist für die meisten Betroffenen eine der zentralsten. Denn ohne gesicherte Diagnose oder Marker wird die Krankheit nicht anerkannt. Weder von den Ärzten noch von der Gesellschaft. Ohne konkrete Diagnose kann auch keine sinnvolle Therapie in Zusammenarbeit mit den Ärzten evaluiert und durchgeführt werden. Wie viele andere chronische Erkrankungen ist FQAD genetisch, epigenetisch und enzymatisch bedingt. Die Schäden finden grösstenteils auf zellulärer auf mitochondrialer Ebene statt. Somit sind sie in den meisten Fällen nicht mit konventionellen Verfahren diagnostizierbar. Neben der zentralen Frage nach der Messbarkeit der durch FC verursachten Schäden stellt sich auch die Frage nach der möglichen Ursache für eine erhöhte Anfälligkeit. In den Augen vieler Betroffener sollte es Gegenstand der medizinischen Wissenschaft sein, gerade die letzte Frage zu erforschen und zu beantworten. Solange dieser Frage nur unzureichend nachgegangen wird, fehlt es den Betroffenen an Unterstützung und Anerkennung.   

 

Diagnosen und Messung der Schäden 

Die durch FC verursachten Nebenwirkungen und Schäden sind vielseitig und komplex zugleich. Da FC in verschiedene Körperfunktionen eingreifen können, ist es vor allem zu Beginn ratsam, umfassende medizinische Abklärungen und Tests vornehmen zu lassen. Alleine schon um andere Krankheiten auszuschliessen. Das Fehlen eines gesicherten Befundes heisst aber nicht zwingend, dass keine Schäden vorliegen. Oft braucht es mehrere Anläufe und viel Durchsetzungsvermögen bis man mit den richtigen Tests eine Diagnose stellen kann.  

Blutuntersuchungen und Urintests (bei allen Symptomen)

  • BasislaborLeberenzyme, Kreatinin, HS, LDH, CRP, BSG, TSH basal und freies Thyroxin (Schilddrüsenwerte), HDL-Cholesterin, Cholesterin, Kalium, Natrium, Calcium, Fe, CK, BZ, Ferritin

  • Mineralstoffe: Magnesium, Mangan, Zink, Kupfer und Selen in der Vollblutanalyse. Eine Supplementierung mit Mineralstoffen empfiehlt sich insbesondere bei einem nachgewiesenen Mangel. 

  • Oxidativer Stress / Mitochondriopathien: Superoxiddismutase (SOD), ATP-Test, Homocystein, Coenzym Q10, Nitrotyrosin, Citrullin, Glutathion (GSH), Antioxidative Kapazität

  • Vitamine: B12, B6, Folsäure, C, D3, E

  • Aminosäuren: Aminosäurenprofil, Hydroxyprolin im 24-h-Urin

Anmerkung: Viele der oben genannten Bluttests werden nur von Umweltmedizinern und speziellen Labors durchgeführt.

Magnetresonanztomographie (MRT) und Ultraschall (Sehnen- und Gelenkbeschwerden) 

Bildgebende Verfahren wie MRT oder Ultraschall sind vor allem bei muskuloskelettalen Beschwerden indizierend. Sie können Schwellungen und Entzündungen in den betroffenen Sehnen und Bändern feststellen. Bei körperweiten Beschwerden empfiehlt sich eine Untersuchung der am stärksten betroffenen Körperstelle. In vielen Fällen sind Sehnenbeschwerden selbst bei anhaltenden und starken Schmerzen in bildgebenden Verfahren nicht sichtbar (mehr dazu). Doch lassen sich strukturelle Veränderungen im Sehnengewebe oder ein schnell fortschreitender Gelenkverschleiss erst in wiederkehrenden Untersuchungen manifestieren und dokumentieren. Bei MRT-Untersuchungen sollte wenn immer möglich auf Kontrastmittel (Gadolinium) verzichtet werden, da viele Betroffene schlechte Erfahrungen damit gemacht haben. 

Kollagen-Screening (Störung der Kollagensynthese, Hautalterung, Sehnenprobleme)

 Ein sehr selten angewendetes Verfahren zur Diagnose von Kollagenstörungen  ist das sogenannte Kollagen-Screening. Bei einem Kollagen-Screening werden mittels Biopsie gewonnene Hautzellen im Labor kultiviert. Nach einer mehrwöchigen Proliferation der Hautzellen wird das gereifte Gewebe unter dem Elektronenmikroskop analysiert. Dieses Verfahren wird vor allem zur Diagnose von genetisch bedingten Bindegewebserkrankungen wie EDS eingesetzt. Es könnte sich jedoch auch als geeignetes Verfahren zur Diagnose von FC-induzierten Kollagenstörungen etablieren. Aus einem Kollagen-Screening lassen sich folgende Störungen und Schäden ableiten: primärer Defekt in der Kollagensynthese, ungleichmässige Reifung der verschiedenen Kollagen-Typen, unregelmässige bzw. nicht-lineare Anordnung von Kollagen-Fibrillen, Anschwellen des endoplasmatischen Retikulum als Folge einer fehlerhaften Kollagensynthese. 

Hautbiopsien (Neuropathische Beschwerden) 

Bei neuropathischen Beschwerden und Anzeichen einer Polyneuropathie (Small Fiber Neuropathy) empfiehlt sich die Durchführung einer Hautbiopsie (Skin Punch Biopsy). Damit kann man die intraepidermale Nervenfaserdichte und die epidermalen Nervenfaserbündel bestimmen. Bei einigen Betroffenen konnte eine Abnahme der quantitativen Nervenfasern nachgewiesen werden trotz negativer Befunde anderer Testverfahren.  
 

 

Messung der Veranlagung 

Leider gibt es keine eindeutigen Tests oder Marker zur Messung einer erhöhten Sensitivität gegenüber FC. Wissenschaftler vermuten vielmehr eine Kombination von unterschiedlichen Faktoren als Ursache für FQAD. Eines ist jedoch klar: es handelt sich bei FQAD nicht um eine allergische Reaktion. Allergietests sollten tunlichst vermieden werden, zumal sie die Nebenwirkungen verstärken können. Neben den bekannten Risikofaktoren wie Alter, Niereninsuffizienz und zeitgleiche Einnahme von Kortison sind es vor allem genetische Faktoren, die zu einer erhöhten Anfälligkeit führen können. Welche genetischen und enzymatischen Faktoren dazu beitragen, ist derzeit ebenfalls Gegenstand wissenschaftlicher Diskussionen und Forschungsarbeiten. Tatsächlich ist die FC-Sensitivität vererbbar. Ein weiterer zentraler Faktor bei der Bestimmung der Anfälligkeit ist der Mineralstoff- und insbesondere der Magnesiumhaushalt während der Einnahme. 

Genetische Veranlagung

Im Vergleich zu vielen anderen Medikamenten werden Fluorchinolone nicht hauptsächlich über das Entgiftungssystem des Körpers metabolisiert, sondern ohne Verstoffwechselung und unverändert über die Niere ausgeschieden. Genetische Variationen in den Entgiftungsenzymen Cytochrom P450 (Phase I) können deshalb nicht als eine ausreichende Erklärung für eine toxische Anreicherung angenommen werden. Umgekehrt haben FC eine stark hemmende Wirkung auf CYP450-Enzyme (Studie). Nicht nur während der FC-Einnahme, sondern auch in den Monaten danach.

Die während der Entgiftung in der Phase I entstandenen aggressiven Zwischenprodukte werden anschliessend in der Phase II in ausscheidungsfähige Metabolite umgewandelt und in wasserlöslicher Form ausgeschieden. Die wichtigsten Phase-II-Enzyme sind: Glutathion-S-Transferasen (GST) und N-Acetyltransferasen (NAT). Genvarianten in GST-Enzymen führen zu einer schlechteren Entsorgung von radikalen Zwischenprodukten und Abbau von Sauerstoffradikalen. Da Fluorchinolone verstärkt radikale Sauerstoffspezies in den Zellen freisetzen, erhöht sich bei einer reduzierten GST der oxidative Stress im Körper und stösst eine Reihe von molekularen Prozessen an. Zusätzlich zu einer ungünstigen genetischen Veranlagung können FC die GST-Aktivität hemmen (Studie). 

Ein weiteres Gen, das beim Abbau und Transport von FC mitwirken könnte, ist das Multidrug resistance Gen (MDR1). Ein Polymorphismus im MDR1-Gen führt zu einer reduzierten Transportaktivität und zu einer höheren Resorption von FC. 

Ein weiteres wichtiges Enzym zum Abbau freier Sauerstoffradikale ist die Superoxid-Dismutase (SOD2). Bei einer eingeschränkten Funktion könnte  sich somit das Risiko für FC-induzierten oxidativen Stress und mitochondriale Schäden erhöhen. 

Folgende Enzyme und Gene können somit eine entscheidende Rolle beim Abbau und Transport von FC einnehmen. Auch wenn Variationen in diesen Genen nicht zwingend zu einer erhöhten Toxizität und somit zu einer FQAD führen, sollten besonders Patienten mit einem eingeschränkten Entgiftungssystem bei der Einnahme vorsichtig sein. 

  • Cytochrom P450 (CYP)-Enzyme CYP1A1, CYP1A2, CYP2A6, CYP2C8, CYP2C9, CYP2C19, CYP2D6 und CYP3A5

  • Glutathion-S-Transferasen (GST)

  • Multidrug resistance Gen (MDR1)

  • Superoxid-Dismutase (SOD2)

Ein pharmakogenetischer Test kann entweder professionell an einem entsprechenden Institut oder über einen Online DNA Test veranlasst werden. Zu den weiteren Stoffwechsel-Enzymen, die bei FQAD eine Rolle spielen könnten und derzeit noch untersucht werden, gehören G6PD und MTHFR.

Mineralstoffmangel 

Als starke Chelatoren haben Fluorchinolone die Eigenschaft, Metall-Ionen zu Chelatkomplexen zu binden und dem Körper zu entziehen.  Zu den Kationen mit dem grössten Chelatierungspotential gehören Eisen (Fe2+), Kupfer (Cu+), Mangan (Mg2+), Zink (Zn2+) und Magnesium (Mg2+). Die Chelatierung von Metall-Ionen ist nicht nur ein wichtiger Faktor in der Hemmung der bakteriellen (aber auch mitochondrialen) Topoisomerase, sie ist auch die Ursache für zahlreiche enzymatische und epigenetische Störungen. Wissenschaftler vermuten, dass bestehende Mineralstoffmängel die Veranlagung für FC-Nebenwirkungen verstärken können. Als kritische Mineralstoffe betrachtet werden Magnesium und Eisen. Hier empfiehlt es sich - sofern ein eine FC-Therapie nicht mehr abzuwenden ist - den Mineralstoffhaushalt zu testen und bei nachgewiesenem Mangel die Mineralstoffe aufzufüllen.