Fluorchinolone

Nebenwirkungen

Eine Hilfeseite

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Fluorchinolon Nebenwirkungen 

Jedes Medikament birgt gewisse Risiken und Nebenwirkungen. Je schwerer die zu behandelnde Krankheit, umso stärker das Medikament und häufiger die potentiellen Nebenwirkungen. Letztendlich ist es ein Abwägen zwischen Nutzen und Risiken. Bei einer schweren Infektion werden vorübergehende Nebenwirkungen wie Schwindel, Benommenheit oder Schläfrigkeit in Kauf genommen. In vielen Fällen der Fluorchinolon-Therapien besteht jedoch ein Missverhältnis zwischen Nutzen und Risiken. Es kommt zu schwerwiegenden, lang anhaltenden oder sogar bleibenden Beschwerden ohne gegebene medizinische Indikation für eine Therapie. In der folgenden Übersicht liegt der Fokus deshalb auf schwere und lang anhaltende und nicht auf herkömmlichen Nebenwirkungen. Die Amerikanische Medikamentenbehörde FDA bezeichnet das durch Fluorchinolone verursachte systematische Krankheitsbild offiziell als "Fluoroquinolone Associated Disability". Auch das BfArM warnt - basierend auf einer neuen Bewertung der europäischen Arzneimittelagentur EMA - neu vor schweren und lang anhaltenden Nebenwirkungen im Bereich Muskulatur, Gelenke und Nervensystem (Risikobewertungsverfahren).

 

Übersicht Nebenwirkungen

 

Die folgende Übersicht zeigt die möglichen Nebenwirkungen einer Fluorchinolon-Therapie. Die meisten dieser Nebenwirkungen sind zwar in den Beipackzetteln erwähnt. Jedoch fehlt der Hinweis darauf, dass solche Beschwerden systemisch und permanent auftreten können. Viele Patienten leiden oft unter mehreren der unten genannten Beschwerden. Die Beschwerden können lokal auftreten oder den gesamten Körper betreffen. Während einige der Symptome nur in der akuten Phase vorkommen, sind andere dauerhaft und permanent spürbar.  Viele Patienten beklagen sich über einen durch FC ausgelösten, schnell fortschreitenden Alterungsprozess mit drastischen Veränderungen am gesamten Körper. Ein weiteres Problem ist, dass akut auftretende Nebenwirkungen nicht als solche identifiziert werden, sondern als Medikamenten-unabhängiges Symptom fehlgedeutet werden. Die Therapie wird trotz der neuen, Medikamenten-induzierten Symptome fortgesetzt, was verheerende Konsequenzen für den Patienten haben kann. 

Muskuloskelettale Beschwerden

Sehnenrisse, Sehnenentzündungen, Tendopathien, Muskelschmerzen, Muskelschwäche, Gelenkschmerzen, Bursitis (Schleimbeutelentzündung), Sehnenscheidenentzündung, Sehnenverkürzungen, etc. (siehe Studien)

Störung der Kollagensynthese

Abbau und strukturelle Veränderung des Bindegewebes (Haut, Sehnen, Bänder, Knorpel, Gefässwände, Kapseln, Dentin, etc.), schnelle und extreme Hautalterung, Aneurysmen (Rote-Hand-Brief), Arterienrupturen, Abbrechen von Zähnen, Chondropathien, Arthrose, Wundheilungsstörungen, etc. 

Periphere Neuropathien

Missempfindungen, Nervenschmerzen, Hautbrennen, Taubheitsgefühle, Muskelschwächen, Muskelkrämpfe, Muskelzucken, Verdauungsprobleme, Impotenz, etc. (siehe Studien

Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Sprachstörungen, Wortfindungsstörungen, Zittern, Magen-Darm-Probleme, Kopfschmerzen, Schwindel, Nervosität

Psychyische und mentale Beschwerden

Panikattacken, Psychosen, Angstzustände, Depersonalisation, Depressionen, Schwindel, Nervosität, Albträume, Selbstmordgedanken, erhöhte Suizidanfälligkeit, Schlaflosigkeit, etc. (siehe FDA Warnung - Englisch)

Neurovaskuläre Erkrankungen 

Durchblutungsstörungen, Kältegefühl, Taubheitsgefühl, Muskelschwäche, vaskulär bedingte Sehnenschmerzen, Herzrhythmusstörung, chronische Muskelentzündungen

Organspezifische Probleme

Herzbeschwerden (Herzklappeninsuffizienzverlängertes QT-Intervall, Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck), Leber (erhöhte Leberwerte, Hemmung der Cytochrome P450 und der Entgiftungsfähigkeit des Körpers), Nieren (Nierenversagen, Niereninsuffizienz)

Visuelle Probleme

Floaters (Mouches Volantes), Augentrockenheit (Sjörgren), Netzhautablösung, Lichtempfindlichkeit, Erblindung, Gesichtsfeldausfall

Unverträglichkeiten

Diverse Nahrungsmittelunverträglichkeiten, vielfache Chemikalienunverträglichkeit (MCS)

Molekulare Effekte 

 

Gemäss Aussage vieler Ärzte seien permanente FC Nebenwirkungen nicht möglich. Der Wirkstoff und seine Metabolite würden den Körper bereits wenige Stunden nach Absetzen des Medikamentes wieder verlassen. Und somit müssten auch die Nebenwirkungen nachlassen. Solchen Aussagen liegen jedoch zwei Denkfehler zugrunde. Erstens schliessen Wissenschaftler nicht aus, dass Fluorchinolone aufgrund ihrer starken chelatierenden Eigenschaften über mehrere Monate und Jahre in den Zellen überleben können (Studie, Kapitel 3.1, Chelating Bivalent Cations and Proteins by FQ). Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum die Beschwerden vieler Betroffener schubartig wiederkehren. Zweitens handelt es sich bei FC-Nebenwirkungen nicht um eine klassische allergische Reaktion. Vielmehr werden durch FC verschiedene molekulare Mechanismen angestossen, die auch nach Absetzen des Medikamentes fortbestehen. Dazu gehören epigenetische Veränderungen (Studie), Hemmung diverser Enzymaktivitäten und Schädigung der mitochondrialen DNA (Studie). Die wichtigsten FC-induzierten molekularen und enzymatischen Effekten sind in der unten stehenden Grafik aufgelistet. Weiterführende Informationen zum Einfluss von Fluorchinolonen auf die Epigenetik wichtiger Körperenzyme sowie auf die Kollagensynthese findet man unter folgendem Link:  Fluorchinolon-induzierte epigenetische Veränderungen und Störungen der Kollagensynthese

Fluorchinolone Molekulare Effekte

Sehnenbeschwerden

Sehnenbeschwerden gehören zu den Nebenwirkungen, die eindeutig mit der Einnahme von Fluorchinolonen in Verbindung gebracht werden können. Die Kausalität ist hier eindeutig gegeben. Denn es gibt kein anderes Medikament, das Sehnen und Bänder in vergleichbarem Masse derart systematisch und nachhaltig angreift. Entgegen den Warnhinweisen in den meisten Beipackzetteln können Sehnenbeschwerden im gesamten Körper auftreten unabhängig von Alter und Geschlecht. Laut Flox-Report sind die Fusssehnen am häufigsten betroffen gefolgt von den Sehnen am Handgelenk und den Achillessehnen. FC-induzierte Sehnenbeschwerden zeigen sich in unterschiedlichen Formen und zeitlichen Abfolgen. So sind Sehnenrisse eher selten. Vielmehr leiden Betroffene unter chronischen und körperweiten Sehnenschmerzen, -entzündungen und chemisch-strukturellen Veränderungen des Sehnengewebes. Letztere sind in MRTs und anderen bildgebenden Verfahren häufig nicht sichtbar. Betroffenen fehlt es dadurch oft an einer Diagnose trotz der medizinischen Erkenntnis, dass es sich bei 50% aller chronischen Sehnenerkrankungen nicht um entzündliche Beschwerden handelt (Tendinitis), sondern eine Folge sind von chemisch-struktureller Veränderungen. Oder in anderen Worten: das Sehnengewebe verliert an Elastizität und Stabilität aufgrund von Störungen in der Kollagensynthese.  

 

Die folgenden in der Literatur besprochenen, durch FC-induzierten Mechanismen können auf die Sehnen und Bänder wirken: 

  1. Erhöhte Matrix-Metalloproteasen (MMP) Aktivität: eine durch FC induzierte MMP Expression kann die extrazellulären Matrixproteine hemmen. Bestimmte MMP sind in der Lage, Kollagen und Elastin im Bindegewebe abzubauen. Letztere gehören zu den wichtigen Bestandteilen der Sehnen und Bänder. Die Folgen wären eine temporäre Schwächung des Bindegewebes und erhöhte Anfälligkeit für Sehnenrupturen (Studie). Die Verstärkung der MMP-Expression reicht allerdings nicht als Erklärungsmodell für permanente und dauerhafte Sehnenbeschwerden.
     

  2. Hemmung der Lysyl Oxidase (LOX):  die LOX ist ein Schlüsselenzyme bei der Stabilisierung der Extrazellulären Matrix. In Studien konnte eine Hemmung der LOX durch Ciprofloxacin nachgewiesen werden. Zusammen mit der Aktivierung der MMP führt dies zu einer Schwächung und Destabilisierung der Extrazellulären Matrix. Die Folge ist ein erhöhtes Risiko für Sehnenrupturen und Aneurysmen. 
     

  3. Störung der Hydroxylierung von Aminosäureresten: die Aminosäuren Prolin und Lysin werden im Bindegewebe durch Hydroxylierungen in Hydroxyprolin beziehungsweise Hydroxylysin umgewandelt. Die hydroxylierten Aminosäuren sorgen dort für die starke Vernetzung von Kollagen und damit auch für die Stärke des Bindegewebes. Laut Studie der Mayo Clinic können Fluorchinolone die Kollagen-Hydroxylierung nachhaltig stören aufgrund der Hemmung der eisenabhängigen Prolyl- und Lysyl-Dioxygenase. Beispielsweise führt eine Hemmung der Hydroxylierung von Prolin und Lysin im Kollagen der Sehnen und Bänder zu einer Sehnenschwäche, Sehnenrupturen und dauerhafte Veränderung der chemischen Struktur von Kollagenfibrillen. 
     

  4. Hemmung des Hypoxie-induzierbaren Faktors-1a (HIF-1a):  Der HIF-1a ist ein Transkriptionsfaktor, der die Versorgung der Zellen mit Sauerstoff reguliert, indem er eine Balance zwischen Sauerstoffbedarf und -versorgung herstellt. Die Hemmung des HIF-1a kann die Vaskularisierung und den Energiestoffwechsel in den Sehnenzellen nachhaltig beeinflussen. Gemäss Studie von Badal et al. hemmen Fluorchinolone das HIF-1A Protein. Dies wäre eine mögliche Erklärung für die teilweise ausgeprägten Sehnenschmerzen, unter denen viele Betroffene leiden, ohne sichtbare Veränderung der Sehnenstruktur oder Anzeichen von Entzündungen. 

Auf Basis der Erfahrungsberichte zahlreicher Betroffener sowie zahlreicher Studien kann man folgende Schlussfolgerungen ziehen: 

  • Es können sämtliche Sehnen und Bänder im gesamten Körper betroffen sein nicht ausschliesslich die Achillessehne 

  • Alter und Geschlecht haben keinen Einfluss auf die Anfälligkeit

  • FC-induzierte Sehnenbeschwerden sind in den meisten Fällen nicht-entzündlich

  • FC-induzierte Sehnenbeschwerden sind häufig nicht in gängigen bildgebenden Verfahren erkennbar

  • Die Behandlung mit Cortison kann die Sehnenbeschwerden um ein Vielfaches verschlimmern

  • Sehnenbeschwerden können auch erst Monate nach der Einnahme von FC auftreten oder sich verschlimmern

  • Die Sehnenbeschwerden sind auf unterschiedliche Wirkmechanismen zurückzuführen. Eine Therapie sollte deshalb individualisiert und unter Berücksichtigung der tatsächlichen Sehnenbeschwerden angegangen werden.  

 

Erkrankungen des Nervensystems

Die neurotoxische Wirkung von FC ist bekannt und umfassend erforscht. FC können nachhaltig auf das Zentralnervensystem wirken. Zu den häufigsten Symptomen gehören: Schlafstörungen, Müdigkeit, Sprachstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel und Nervosität. Im Vergleich zu anderen Antibiotika kommen solchen Nebenwirkungen bei FC-Therapien vergleichsweise häufig vor. Man geht von 12% aller Patienten aus (Studie). Schwere Reaktionen im Zentralnervensystem wie Halluzinationen, Angstzustände und Depressionen sind seltener (ca. 1%). Sie können jedoch den Erfahrungsberichten zahlreicher Betroffener zufolge chronisch und irreversibel werden. Fluorchinolone haben teilweise ähnliche Wirkmechanismen wie Chemotherapien. Darin unterscheiden sie sich signifikant von anderen Antibiotika. Ein wesentliches Merkmal von FC ist deren Fähigkeit, sich an verschiedene Rezeptoren im Gehirn, im Rückenmark und im peripheren Nervensystem zu binden. Als Antagonist am GABA Rezeptor verhindern FC somit die Bindung von GABA am Rezeptor.  Die Blockierung des GABA Rezeptors kann eine ZNS-stimulierende Wirkung haben und die oben genannten Symptome verursachen. Obwohl es alle Patienten treffen kann, sind vor allem ältere Personen von Nebenwirkungen im ZNS betroffen. Die gleichzeitige aber auch zeitlich verschobene Behandlung mit nicht-steroidalen Antirheumatika oder Benzodiazepine kann die ZNS-Nebenwirkungen um ein Vielfaches verstärken. 

Zahlreiche Studien aber auch Patientenberichte verweisen auf chronische und anhaltende periphere Neuropathien. Selbst die FDA warnt vor einem erhöhten Risiko für periphere Neuropathien durch FC. Dabei handelt es sich um Nervenschädigungen, welche sich auf den gesamten Körper auswirken können. Betroffen sind aber vorwiegend die Arme und Beine. Zu den häufigsten Symptomen gehören: Brennen, Kribbeln, stechende Schmerzen, Nadelstiche, Schwächegefühl, Taubheit, etc. Die Beschwerden können sofort oder erst nach mehreren Tagen auftreten. Diese Symptome sind oft lange anhaltend. In seltenen Fällen können die Nervenschädigungen sogar dauerhaft sein.

 

Mitochondriale Schäden

Die mitochondriale Toxizität von FC bzw. deren schädigende Wirkung auf Mitochondrien ist seit längerem bekannt. Mitochondrien sind Zellorganellen, welche als Kraftwerke der Zellen für deren Energieproduktion verantwortlich sind. Die Produktion von Energie in Form von ATP (Adenosintriphosphat) trägt zur Aufrechterhaltung der Zelle bei. Bisher vermutete man die Ursache einer FC-induzierten Funktionsstörung der Mitochondrien (sekundäre Mitochondriopathie) in der Freisetzung von freien Radikalen in den Mitochondrien der menschlichen Zellen. So belegen Studien eine erhöhte Freisetzung von Sauerstoffradikalen in den Zellen und  - als Folge davon - deren vollständige Schädigung. Wodurch der oxidative Stress in den Mitochondrien ausgelöst wird, war jedoch lange Zeit nicht bekannt. 

 

Wissenschaftler der Eastern Finland fanden nun heraus, dass Ciprofloxacin die DNA von Mitochondrien (mtDNA) schädigt. Entgegen der langläufigen Annahme, dass Fluorchinolone keinen Einfluss auf die menschliche Topoisomerase haben können, wird die räumliche Anordnung der mtDNA hauptsächlich von der Topoisomerase II kontrolliert. Diese gleicht strukturell der bakteriellen Topoisomerase. Fluorchinolone hemmen somit nicht nur die bakterielle sondern auch die mitochondriale Zellreproduktion. Dies kann einen negativen Einfluss auf die Energieproduktion der Mitochondrien und somit auf das Wachstum der Zellen haben. Durch die mitochondriale Dysfunktion werden wiederum vermehrt freie Sauerstoffradikale freigesetzt, was zu einem erhöhten oxidativen Stress führt und dieser zu Zellalterung und -schädigung. Betroffen sind vor allem Zellen mit einem hohen Energiebedarf wie Nerven, Muskeln und die Nieren. Auf das Sehnen- oder Knorpelgewebe werden die mitochondrialen Schäden einen eher untergeordneten Einfluss haben. Klassische Nebenwirkungen einer FC-induzierten Mitochondrienstörung wären Sehstörungen, Muskelschwächen, Chronic Fatigue Syndrom, Tinnitus, Lebererkrankungen, etc.