Fluorchinolone

Nebenwirkungen

Eine Hilfeseite - Verein VFCN 

Teil 3 - Nebenwirkungspotential der einzelnen Fluorchinolon-Wirkstoffe

Aktualisiert: Juni 5


Der Verein zur Aufklärung über die Nebenwirkungen von Fluorchinolon-Antibiotika (FC) initiierte im Jahre 2019 eine Online-Patientenbefragung mit dem Ziel, die Zusammenhänge zwischen der Einnahme von FC und deren Nebenwirkungen besser zu verstehen. Die Umfrage richtete sich ausschliesslich an Patienten mit schweren und/oder dauerhaften FC-Nebenwirkungen. Die Betroffenen wurden vorwiegend über einschlägige soziale Foren zur Teilnahme an der Befragung eingeladen. Es nahmen insgesamt 262 betroffene Patienten aus dem deutschen und französischen Sprachraum an der Befragung teil.


Die Ergebnisse und Auswertungen der Befragung sollen in regelmässig erscheinenden Blog-Beiträgen auf dieser Webseite publiziert und diskutiert werden. Im folgenden Beitrag geht es um die möglichen Abhängigkeiten zwischen bestimmten Fluorchinolon-Wirkstoffen und einzelnen Beschwerdebildern.


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Die verschiedenen FC-Wirkstoffe und ihr Nebenwirkungspotential


Seit der Einführung des ersten fluorierten Chinolon (Norfloxacin) im Jahre 1979 wurden 18 weitere Fluorchinolon-Wirkstoffe für den humanmedizinischen Gebrauch entwickelt und auf den Markt gebracht. Mittlerweile wurden weltweit 11 dieser 18 Wirkstoffe aufgrund ihres hohen Risikopotentials wieder vom Markt genommen. Zur Gruppe der in Deutschland und in der Schweiz noch zugelassenen Wirkstoffe gehören Ciprofloxacin (II), Levofloxacin (III), Moxifloxacin (IV), Norfloxacin (I) oder Ofloxacin (II). Die Wirkstoffe sind in unterschiedlichen Handelsnamen und Darreichungsformen auf dem Markt und werden oral eingenommen, injiziert oder inhaliert. Sie werden anhand ihrer Pharmakokinetik und Wirkspektren in eine der vier von der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie definierten Gruppen zugeteilt. Die Stoffe höherer Gruppen sind im Allgemeinen auch neuere Wirkstoffe mit einer verbesserten Wirksamkeit. Gemäss GKV-Arzneimittelindex im WIdO gehört Ciprofloxacin mit 2.78 Millionen Verordnungen pro Jahr zu dem am häufigsten verordneten Wirkstoff in Deutschland, gefolgt von Levofloxacin (0.89 Millionen) und Moxifloxacin (0.33 Millionen).


Man geht grundsätzlich davon aus, dass FC aus der dritten (Levofloxacin) und der vierten (Moxifloxacin) Gruppe aufgrund ihres breiteren Wirkungsspektrums ein erhöhtes Risikopotential haben. Diese Annahme geht mit einer Schätzung der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft einher, wonach Levofloxacin im Vergleich zu Ciprofloxacin ein weitaus höheres Risiko für Sehnenschädigungen hat. Im Weiteren herrscht unter vielen betroffenen Patienten die Ansicht, dass Ciprofloxacin eher neurologische und psychologische Beschwerden verursacht, während Levofloxacin die Sehnen, Bänder und Muskeln angreift. Es war deshalb ein Ziel der Patientenbefragung, zu verstehen, ob es Abhängigkeiten zwischen den verschiedenen FC-Wirkstoffen und den typischen Beschwerdebildern gibt.


Die folgende Tabelle zeigt die Häufigkeit der konkreten FC-Beschwerden in Abhängigkeit vom eingenommenen Wirkstoff. Die Häufigkeit wird ausgedrückt über den Anteil der betroffenen Patienten bzw. Teilnehmer der Befragung, die als Folge der Wirkstoff-Einnahme unter den jeweiligen Beschwerden leiden. Die Zahlen zeigen auf, dass sämtliche Wirkstoffe eine hohe schädigende Wirkung auf Sehnen, Bänder und Muskeln haben. Dabei sind zwischen den einzelnen Wirkstoffen fast keine Unterschiede in der Häufigkeit auszumachen. Auch die Kombination von Cipro- und Levofloxacin führt nicht zwangsläufig zu einem höheren Risikopotential. Bei den anderen Beschwerdebildern sind grössere Unterschiede zwischen den einzelnen Wirkstoffen und der Zahl der betroffenen Patienten auszumachen. Dabei lässt sich aus den Zahlen erkennen, dass es sich bei Levofloxacin um den Wirkstoff mit dem grössten Risikopotential handelt. So ist Levofloxacin die häufigste Ursache für Beschwerden im Bereich des Zentralen Nervensystems, mitochrondriale Dysfunktionen und neurovaskuläre Beschwerden. Einzig bei den psychologischen Symptomen zeigen Ciprofloxacin und Moxifloxacin ein vergleichbares Risikopotential.



Fazit


Die Auswertung der Umfrageergebnisse bestätigte nicht die erwartete Korrelation zwischen den verschiedenen Wirkstoffen und spezifischen FC-Symptomen. Die Daten zeigen vielmehr auf, dass jeder Wirkstoff aus der Familie der Fluorchinolone die typischen Nebenwirkungen und Symptome verursachen kann. Deshalb wäre es auch falsch, bei bestimmten Wirkstoffen von einer besseren Verträglichkeit auszugehen. Jeder Wirkstoff hat das Potential, schwere und langhaltende Nebenwirkungen im gesamten Körper zu verursachen. Dennoch kristallisiert sich Levofloxacin eindeutig als der Wirkstoff mit dem grössten Nebenwirkungspotential aus den Umfrageergebnissen heraus.



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